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Ermunterung

Was willst du dich betrüben?

Der alte Gott lebt noch,

Nicht hüben und nicht drüben,

Nicht ferne und nicht hoch:

Sein Sein ist allenthalben,

Sein Lieben klingt durchs All

In höchster Engel Psalmen,

In kleinster Vöglein Schall.

 

Er weiß um deine Schmerzen,

Er weiß um deine Lust,

Und willst du ihn von Herzen,

Gleich hat ihn deine Brust,

Gleich fällt wie Frühlingsregen

Bei warmen Sonnenschein

Sein süßer Gnadensegen

Dir voll ins Herz hinein.

 

Auf! Wirf dein schlechtes Grämen,

Dein eitles Sorgen weg!

Verscheuche alle Schemen,

Die irren deinen Weg!

Du sollst im Lichte schreiten,

Und der dich frei gemacht,

Das große Licht der Zeiten,

Schloss ewig deine Nacht.

 

Mag alles sinken, wanken,

Dies eine bleibet fest,

Gedanke der Gedanken,

Der nimmer sinken lässt:

Das große Licht der Zeiten,

Dein Heiland Jesus Christ

Wird strahlen um dich spreiten,

Wo alles finster ist.

 

Dies wage fest zu fassen,

Dies halte treu und fest,

Den schwöre nie zulassen,

Der nimmer dich verlässt:

Der dich mit seinem Blute

Erlöst aus Nacht und Wahn,

Will, dass mit hellem Mute

Du wandelst seine Bahn.

 

Ernst Moritz Arndt

Waldlied

Arm in Arm und Kron´ an Krone steht der Eichenwald verschlungen,
Heute hat er bei guter Laune mir sein altes Lied gesungen.

Fern am Rande fängt ein junges Bäumchen an, sich sacht zu wiegen,
Und dann ging es immer weiter an ein Sausen, an ein Biegen;

Kam es her in mächt´gem Zuge, scholl es an zu breiten Wogen,
Hoch sich durch die Wipfel wälzend, kam die Sturmesflut gezogen.

Und nun sang und pfiff ist graulich in den Kronen, in den Lüften,
Und dazwischen knarrt und dröhnt es unten in den Wurzelgrüften.

Manchmal schwankt die höchste Eiche gellend ihren Schafft alleine,
Donnernder erscholl nur immer drauf der Chor vom ganzen Haine!

Einer wilder Meeresbrandung hat das schöne Spiel geglichen;
Alles Laub war weißlich schimmernd nach Nordosten hin gestrichen.

Also streicht die alte Geige Pan der Alte laut und leise,
Unterrichtet seine Wälder in der alten Welten Weise.

In den sieben Tönen schweift er unerschöpflich auf und nieder,
In den sieben alten Tönen, die umfassen alle Lieder.

Und es lauschen still die jungen Dichter und die jungen Finken,
Kauernd in den dunklen Büschen, sie die Melodien trinken.

Gottfried Keller

Wenn ich ihn nur habe

Wenn ich ihn nur habe,
Wenn er mein nur ist,
Wenn mein Herz bis hin zum Grabe
Seine Treue nie vergisst:
Weiß ich nichts von Leide,
Fühle nichts als Andacht, Lieb und Freude.

Wenn ich ihn nur habe,
Lass ich alles gern,
folg an meinem Wanderstabe
Treu gesinnt nur meinem Herrn;
Lasse still die anderen
Breite, lichte, volle Straßen wandern.

Wenn ich ihn nur habe,
Schlaf ich fröhlich ein,
Ewig wird zu süßer Labe
Seines Herzens Flut mir sein,
Die mit sanftem Zwingen
Alles wird erweichen und durchdringen.

Wenn ich ihn nur habe,
Hab ich auch die Welt;
Seelig wie ein Himmelsknabe,
der der Jungfrau Schleier hält.
Hingesenkt im Schauen
Kann mir vor dem Irdischen nicht grauen.

Wo ich ihn nur habe,
ist mein Vaterland,
und es fällt mir jede Gabe
wie ein Erbteil in die Hand;
längst vermisste Brüder
Find ich nun in seinen Jüngern wieder.

Novalis